Umrechnen in einem Schritt
Ihr Gaszähler misst Kubikmeter. Abgerechnet werden aber Kilowattstunden. Dazwischen stehen zwei Zahlen, die der Netzbetreiber auf jede Rechnung schreibt: die Zustandszahl und der Brennwert. Die Formel aus dem DVGW-Arbeitsblatt G 685 lautet:
kWh = Kubikmeter am Zähler × Zustandszahl × Brennwert
Ein Beispiel mit Werten, wie sie auf einer Jahresabrechnung stehen: Der Zähler stand am Anfang des Zeitraums auf 12.345 m³ und am Ende auf 13.795 m³. Verbraucht wurden also 1.450 m³. Die Zustandszahl beträgt 0,9636, der Abrechnungsbrennwert 11,384 kWh/m³. Daraus ergibt sich:
1.450 m³ × 0,9636 = 1.397,22 Normkubikmeter
1.397,22 m³ × 11,384 kWh/m³ = 15.905,95 kWh
Auf der Rechnung steht meist der gerundete Wert, hier 15.906 kWh. Mit einem Arbeitspreis von 11,5 Cent je kWh kostet die Energie 1.829,19 Euro; dazu kommt der Grundpreis. Den Preis trägt der Rechner nicht selbst ein, nehmen Sie den aus Ihrem Vertrag.
Der Rechner geht auch rückwärts. Sie wissen, dass Sie 18.000 kWh im Jahr verbrauchen, und wollen wissen, wie weit sich der Zähler dreht? Bei einer Zustandszahl von 0,95 und einem Brennwert von 11,2 kWh/m³ sind das 18.000 ÷ (0,95 × 11,2) = 1.691,73 m³.
Wo Zustandszahl und Brennwert stehen
Netzbetreiber müssen beides angeben. enercity Netz schreibt dazu: Auf jeder Rechnung müssen Zählerstände, Zählerstandsdifferenz, Zustandszahl und Brennwert aufgeführt sein. Meist finden Sie die Werte in einer Tabelle „Ermittlung des Verbrauchs“ oder „Verbrauchsberechnung“ auf der zweiten Seite.
Die Zustandszahl (auch Z-Zahl) rechnet das gemessene Volumen auf den Normzustand um: 0 °C und 1013,25 mbar. Gas, das durch Ihren Zähler strömt, ist wärmer und steht unter einem anderen Druck. Nach G 685 gilt:
Z = 273,15 K ÷ (273,15 K + t) × (Luftdruck + Überdruck) ÷ 1013,25 mbar
Die BonnNetz setzt für die Gastemperatur 15 °C fest, für den Überdruck im Regelfall 23 mbar und für den Luftdruck 1014,8 mbar minus 0,114 mbar je Meter Höhe. Bei 60 m Höhe ergibt das eine Zustandszahl von 0,9645. enercity Netz nennt für Hannover 0,9632, die Zahl gilt dort für mehr als 95 Prozent der Kunden. Wer höher wohnt, hat eine kleinere Zustandszahl: Bei 500 m Höhe ergibt dieselbe Rechnung (15 °C, 23 mbar) rund 0,918. Diesen Wert zeigt auch der Schätzer im Rechner.
Fehlt Ihnen die Zahl, können Sie sie im Rechner aus Höhe, Temperatur und Überdruck schätzen. Für die Abrechnung zählt aber immer der Wert Ihres Netzbetreibers.
Der Brennwert (Hs) gibt an, wie viel Energie in einem Normkubikmeter steckt. Er schwankt, weil Erdgas aus verschiedenen Quellen kommt. Laut EnBW liegt er bei L-Gas zwischen 8,4 und 11,2 kWh/m³, bei H-Gas zwischen 10 und 13,1 kWh/m³. Auf der Rechnung steht der Abrechnungsbrennwert für Ihren Zeitraum.
Warum die Faustformel ×10 ungenau ist
Viele rechnen mit „1 m³ Gas sind etwa 10 kWh“. Das ist schnell, trifft aber selten. Im Beispiel oben ergibt die Faustformel 14.500 kWh statt 15.906 kWh, also rund 9 Prozent zu wenig. Bei 11,5 Cent je kWh fehlen in der Schätzung gut 160 Euro.
Der Fehler hat zwei Ursachen. Die Zustandszahl liegt meist unter 1 und drückt den Wert. Der Brennwert von H-Gas liegt oft über 11 und hebt ihn deutlich stärker an. Wer L-Gas bezieht, kommt mit der Faustformel näher heran. Für eine Nebenkosten-Schätzung reicht ×10, für die Prüfung einer Rechnung nicht.
Typische Fehler beim Umrechnen
- Komma verrutscht: Die Zustandszahl hat vier Nachkommastellen (0,9636), nicht 9636. Der Rechner warnt bei unplausiblen Werten.
- Punkt und Komma: Der Rechner liest Zahlen wie auf der Rechnung. 12.345 ist zwölftausenddreihundertfünfundvierzig, 0,9636 eine Dezimalzahl. Steht ein Punkt an einer ungewöhnlichen Stelle (etwa 1.45), zeigt der Rechner, wie er die Zahl gelesen hat.
- Zählerwechsel: Wurde im Zeitraum der Zähler getauscht, gibt es zwei Zählerstands-Paare. Rechnen Sie beide Mengen getrennt und addieren Sie die Kubikmeter, oder geben Sie die Menge direkt ein.
- Brennwert und Heizwert verwechselt: Gas wird nach Brennwert abgerechnet. Der Heizwert ist kleiner, weil er die Wärme im Wasserdampf nicht mitzählt. Die Heizkostenverordnung (§ 9 Abs. 2) nennt für Erdgas den Faktor 1,11 zwischen beiden.
- Grundpreis vergessen: Er fällt unabhängig vom Verbrauch an. Teilen Sie die Gesamtkosten durch die kWh, sehen Sie Ihren effektiven Preis je kWh.
Verbrauch vergleichen
In kWh lässt sich Ihr Gasverbrauch mit anderen Energieträgern vergleichen. Ein Liter Heizöl enthält rund 10 kWh, ein Raummeter Buchenholz knapp 1.900 kWh. Die Umrechnung für Holz zeigt der Brennholz-Umrechner, den Ölvorrat im Keller berechnet der Heizöltank-Rechner.
Wollen Sie wissen, was eine Wärmepumpe statt der Gasheizung bräuchte, rechnen Sie zuerst auf die Wärme um, die tatsächlich im Haus ankommt: kWh nach Brennwert ÷ 1,11 ergibt den Heizwert, davon geht noch der Kesselverlust ab. Was eine Wärmepumpe für Ihre Heizkörper bedeutet, zeigt der Heizkörper-Check, die Stromseite der Stromkosten-Rechner.
Grenzen des Rechners
Der Rechner rechnet genau mit den Zahlen, die Sie eingeben. Er kennt weder Ihren Netzbetreiber noch dessen Brennwert. Netzbetreiber runden Zwischenwerte nach eigenen Regeln, deshalb kann Ihre Rechnung um einige kWh abweichen. Ändert sich der Preis im Abrechnungszeitraum, rechnen Sie die Zeiträume getrennt. Ihre Eingaben bleiben im Browser und werden nicht gespeichert.