Der Verbrauch zwischen zwei Messungen ist der Unterschied der beiden Tankinhalte in Litern, zuzüglich jeder Lieferung dazwischen. Den Jahresverbrauch erhalten Sie, indem Sie diesen Wert durch den Anteil der Messmonate am Heizjahr teilen: Oktober und November zusammen sind 20 Prozent, also gilt Verbrauch × 5.
Gerade jetzt im Oktober stellt sich die Frage oft: Reicht der Vorrat bis zum Frühjahr, oder muss vor dem Winter noch eine Lieferung kommen? Mit zwei Messwerten und einer Tabelle beantworten Sie das selbst, ohne Schätzung vom Händler.
Schritt 1: Den Tankinhalt zweimal messen
Grundlage sind zwei Füllstände in Litern. Bei Stahl- und Kunststofftanks lesen Sie die Peilhöhe in Zentimetern ab und rechnen sie in Liter um. Das klingt einfach, hat bei liegenden Tanks aber eine Tücke: Der Inhalt wächst nicht gleichmäßig mit der Höhe. Bei einem runden liegenden Tank sind bei einem Viertel der Höhe erst knapp 20 Prozent gefüllt. Der Heizöltank-Rechner rechnet die Peilhöhe für liegende, stehende, eckige und Batterietanks in Liter um.
Zwischen den beiden Messungen sollten mindestens vier Wochen liegen. Bei kürzeren Abständen fällt ein Ablesefehler von einem Zentimeter stärker ins Gewicht als der Verbrauch selbst. Messen Sie immer an derselben Stelle und zur gleichen Tageszeit, am besten wenn der Brenner länger nicht gelaufen ist. Notieren Sie Datum, Peilhöhe und Liter.
Wurde zwischendurch getankt, addieren Sie die Liefermenge laut Lieferschein:
Verbrauch = Liter bei Messung 1 + getankte Liter − Liter bei Messung 2
Schritt 2: Mit Gradtagszahlen aufs Jahr hochrechnen
Eine Heizung verbraucht im Januar ein Vielfaches dessen, was sie im Juli braucht. Wer den Verbrauch von Oktober und November einfach durch 61 Tage teilt und mit 365 malnimmt, überschätzt den Jahresverbrauch. Wer im Mai misst, unterschätzt ihn stark.
Abrechnungsdienste lösen das mit Gradtagszahlen. Die Heizkostenverordnung lässt sie in § 9b beim Mieterwechsel zu: Der Teil der Heizkosten, der nicht nach Zwischenablesung verteilt wird, darf nach den „aus anerkannten Regeln der Technik ergebenden Gradtagszahlen“ oder zeitanteilig auf Vor- und Nachmieter verteilt werden. Gebräuchlich ist eine ältere Tabelle, die auf die frühere DIN 4713 und VDI 2067 zurückgeht und von Abrechnungsdiensten bis heute genutzt wird, die jedem Monat einen Anteil am Heizjahr in Promille zuweist:
| Monat | Anteil am Jahr (Promille) | bei 2.100 l/Jahr |
|---|---|---|
| Januar | 170 | 357 l |
| Februar | 150 | 315 l |
| März | 130 | 273 l |
| April | 80 | 168 l |
| Mai | 40 | 84 l |
| Juni, Juli, August | je 13,33 | je 28 l |
| September | 30 | 63 l |
| Oktober | 80 | 168 l |
| November | 120 | 252 l |
| Dezember | 160 | 336 l |
| Summe | 1.000 | 2.100 l |
Die Werte beschreiben ein durchschnittliches Jahr in Deutschland. Ein milder Januar oder ein kalter April verschieben die Anteile, und Warmwasser über die Ölheizung kommt in den Sommermonaten dazu. Für eine Hochrechnung über zwei oder mehr Monate ist die Tabelle trotzdem deutlich genauer als die Rechnung nach Tagen.
Die Formel lautet:
Jahresverbrauch = gemessener Verbrauch ÷ Summe der Promille im Messzeitraum × 1.000
Rechenbeispiel: Reicht der Tank bis zum Frühjahr?
Ein Einfamilienhaus mit 150 m² Wohnfläche. Am 1. Oktober zeigt die Peilung 1.850 Liter, am 1. Dezember 1.430 Liter. Getankt wurde dazwischen nicht.
- Verbrauch: 1.850 − 1.430 = 420 Liter in 61 Tagen.
- Oktober und November haben zusammen 80 + 120 = 200 Promille.
- Jahresverbrauch: 420 ÷ 200 × 1.000 = 2.100 Liter.
Zum Vergleich die falsche Rechnung nach Tagen: 420 Liter ÷ 61 Tage = 6,9 Liter am Tag, mal 365 ergibt 2.513 Liter. Das sind gut 400 Liter mehr, als das Haus tatsächlich braucht.
Nun die eigentliche Frage. Ab dem 1. Dezember verteilen sich die 2.100 Liter nach der Tabelle so:
| Monat | Verbrauch | Rest im Tank am Monatsende |
|---|---|---|
| Dezember | 336 l | 1.094 l |
| Januar | 357 l | 737 l |
| Februar | 315 l | 422 l |
| März | 273 l | 149 l |
| April | 168 l | leer um den 27. April |
Rechnerisch reicht der Vorrat bis Ende April. Ganz leer fahren lässt sich ein Tank aber nicht: Die Ölpumpe saugt meist nicht bis zum Boden, und am Grund sammeln sich Wasser und Schlamm. Planen Sie deshalb eine Reserve ein. Mit 100 Litern Reserve ist im Beispiel schon um den 9. April Schluss. Wer im März bestellt, ist auf der sicheren Seite.
Wie trügerisch die Durchschnittsrechnung ist, zeigt die Gegenprobe: 2.100 Liter ÷ 365 Tage = 5,75 Liter am Tag. Damit kämen die 1.430 Liter scheinbar 248 Tage weit, bis in den August. Im Winter verbraucht das Haus aber fast doppelt so viel wie im Jahresmittel.
Verbrauch einordnen: Liter, kWh und Quadratmeter
Für Vergleiche rechnen Sie Liter in Kilowattstunden um. Nach den Standardwerten der Emissionsberichterstattungsverordnung (EBeV 2030) hat leichtes Heizöl eine Dichte von 0,845 kg/l und einen Heizwert von 42,8 GJ/t. Das ergibt 10,05 kWh je Liter. Üblich ist der gerundete Wert 10 kWh, den auch die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft verwendet.
Im Beispiel sind 2.100 Liter rund 21.000 kWh. Geteilt durch 150 m² ergibt das 140 kWh je Quadratmeter und Jahr. Diesen Kennwert können Sie mit dem Energieausweis des Hauses vergleichen oder mit dem Heizspiegel von co2online. Liegt der Wert deutlich über dem Bedarf laut Energieausweis, lohnt sich ein Blick auf Heizkurve, Brennereinstellung und Dämmung.
Mit kWh lässt sich auch der Wechsel auf einen anderen Energieträger überschlagen. 21.000 kWh aus Öl entsprechen grob 2.100 m³ Erdgas oder elf Raummetern Buchenholz. Genau rechnen Sie das mit dem Gas-Rechner und dem Brennholz-Umrechner, die Wirkungsgrade der Kessel kommen noch dazu.
Warmwasser herausrechnen
Bereitet die Ölheizung auch das Warmwasser, steckt ein Teil des Verbrauchs darin. Am einfachsten messen Sie ihn im Sommer, wenn die Heizung aus ist. Ein Beispiel: Am 1. Juni stehen 1.200 Liter im Tank, am 1. September 1.080 Liter. Das sind 120 Liter in 92 Tagen, also 1,3 Liter am Tag und rund 475 Liter im Jahr. Dieser Sockel fällt jeden Monat an, im Januar genauso wie im Juli.
Wer es genau nimmt, zieht den Warmwasser-Sockel vor der Hochrechnung ab und rechnet nur den Rest mit den Gradtagszahlen hoch. Für die Frage „Reicht der Tank?“ genügt die einfache Rechnung oben meist, denn die Tabelle enthält mit den Sommermonaten schon einen kleinen Grundverbrauch.
Was ein Liter Heizöl 2026 an Steuern und CO₂-Preis enthält
Im Literpreis des Händlers stecken mehrere feste Anteile. Die Energiesteuer beträgt nach § 2 Abs. 3 Energiesteuergesetz 61,35 Euro je 1.000 Liter schwefelarmes Heizöl, also 6,1 Cent je Liter. Dazu kommt der CO₂-Preis nach dem Brennstoffemissionshandelsgesetz. Für 2026 gilt ein Preiskorridor von 55 bis 65 Euro je Tonne CO₂ (§ 10 Abs. 2 BEHG).
Ein Liter leichtes Heizöl erzeugt nach EBeV 2030 rund 2,68 kg CO₂ (0,845 kg × 42,8 GJ/t × 0,074 t CO₂/GJ). Bei 55 Euro je Tonne sind das 14,7 Cent je Liter, bei 65 Euro 17,4 Cent, jeweils vor Mehrwertsteuer. Für die 2.100 Liter aus dem Beispiel macht der CO₂-Preis damit 309 bis 365 Euro netto im Jahr aus. Auf alles zusammen kommen 19 Prozent Mehrwertsteuer.
Typische Fehler beim Berechnen
- Peilhöhe direkt als Prozent genommen: 50 cm von 100 cm sind beim liegenden Tank zwar die Hälfte, 25 cm aber nur knapp ein Fünftel. Erst in Liter umrechnen, dann subtrahieren.
- Lieferung vergessen: Wer zwischen zwei Peilungen getankt hat und die Menge nicht addiert, bekommt einen negativen oder viel zu kleinen Verbrauch.
- Zu kurzer Abstand: Ein Zentimeter Ablesefehler entspricht bei einem großen liegenden Tank 20 bis 30 Litern. Bei zwei Wochen Abstand ist das ein erheblicher Teil des Verbrauchs.
- Nach Tagen hochgerechnet: Im Herbst gemessen überschätzt die Tagesrechnung den Jahresverbrauch, im Frühling unterschätzt sie ihn.
- Lieferscheine statt Messung: Die Summe der Lieferungen eines Jahres ist nur dann der Verbrauch, wenn der Tank am Jahresende genauso voll war wie am Anfang.
Grenzen der Rechnung
Gradtagszahlen beschreiben das Durchschnittswetter. Ein besonders kalter Winter kann den Verbrauch um ein Zehntel und mehr erhöhen, ein milder senkt ihn. Wer jedes Jahr am selben Datum peilt, sieht nach zwei, drei Jahren, wie stark sein Haus schwankt. Auch Ihr Verhalten verändert die Zahl: Wer im Winter Besuch hat oder ein Zimmer zusätzlich heizt, verbraucht mehr, als die Tabelle vorhersagt. Rechnen Sie deshalb immer mit Reserve und bestellen Sie nicht erst, wenn der Brenner stottert.