Das Verfahren stammt aus dem Schach. Die Weltschachorganisation FIDE regelt es in ihrem Handbuch, Kapitel C.04. Die Grundidee passt aber genauso für Dart, Boule oder Tischtennis: viele Teilnehmer, wenig Zeit, trotzdem ein fairer Sieger.
Die Grundregeln nach FIDE
Das FIDE-Handbuch fasst das Schweizer System in neun Grundregeln zusammen (C.04.1, gültig seit 1. Februar 2026). Die wichtigsten in Kurzform:
- Die Zahl der Runden wird vorher festgelegt.
- Zwei Teilnehmer spielen höchstens einmal gegeneinander.
- Bei ungerader Zahl bleibt einer ungepaart und bekommt ein Freilos. Es bringt so viele Punkte wie ein Sieg, wenn die Ausschreibung nichts anderes sagt.
- Wer schon ein Freilos hatte oder schon einmal kampflos gewonnen hat, bekommt kein Freilos mehr.
- Grundsätzlich spielen Teilnehmer mit gleicher Punktzahl gegeneinander.
Die übrigen Regeln betreffen im Schach die Farben: Niemand soll mehr als zwei Weißpartien mehr als Schwarzpartien haben (oder umgekehrt), niemand dreimal hintereinander dieselbe Farbe. Die einzelnen Paarungssysteme lassen davon Ausnahmen zu. Außerdem verlangt Artikel 9, dass die Turnierleitung jede Paarung erklären kann. Bei Dart oder Boule spielen die Farben keine Rolle.
Wie viele Runden im Schweizer System?
Die FIDE legt keine Zahl fest. Ein Mindestmaß ergibt sich aber aus einer einfachen Überlegung. In jeder Runde halbiert sich die Zahl der Spieler, die noch alles gewonnen haben, ungefähr. Nach r Runden ohne Remis kann es bei 2r Teilnehmern genau einen geben, der alle Partien gewonnen hat. Bei mehr Teilnehmern bleiben mindestens zwei ungeschlagen, die nie gegeneinander gespielt haben.
| Teilnehmer | Mindestrunden (2r ≥ n) | häufig geplant | jeder gegen jeden bräuchte |
|---|---|---|---|
| 8 | 3 | 4 | 7 Runden |
| 16 | 4 | 5 | 15 Runden |
| 24 | 5 | 6 | 23 Runden |
| 32 | 5 | 6 | 31 Runden |
| 50 | 6 | 7 | 49 Runden |
| 100 | 7 | 8 | 99 Runden |
Mit der Mindestzahl hängt der Turniersieg stark davon ab, ob die zwei Besten aufeinandertreffen. Deshalb planen viele Ausrichter eine Runde mehr. Nach oben gibt es eine harte Grenze: Weil sich keine Paarung wiederholen darf, sind höchstens so viele Runden möglich, wie das Rundenturnier hätte. In der Praxis wird das Paaren schon vorher schwierig, wenn fast alle schon gegeneinander gespielt haben.
Paarung Runde für Runde: ein Beispiel mit 6 Spielern
Sechs Spieler, nach Spielstärke sortiert von Nummer 1 bis 6. Gespielt werden 3 Runden, Sieg 1 Punkt, Remis ½.
Runde 1: Die Liste wird halbiert, die obere Hälfte spielt gegen die untere: 1–4, 2–5, 3–6. Die Reihenfolge der Nummern sagt in diesem Beispiel nichts über die Farben. Im Schach wird die Farbe für Runde 1 ausgelost, danach verteilt das Paarungssystem die Farben nach eigenen Regeln (C.04.3, Artikel 5). Das Werkzeug nennt Weiß immer zuerst und zeigt deshalb zum Beispiel 5–2 statt 2–5. Ergebnisse: 1 gewinnt, 2 gewinnt, 6 gewinnt überraschend gegen 3. Stand: 1, 2 und 6 haben 1 Punkt, 3, 4 und 5 haben 0.
Runde 2: Jetzt spielen Punktgleiche gegeneinander. In der Gruppe mit 1 Punkt sind drei Spieler, einer ist zu viel. Also spielt 1 gegen 2, und 6 rutscht in die Gruppe darunter. Dort hat 6 schon gegen 3 gespielt und bekommt deshalb 4. Bleiben 3 und 5. Paarungen: 1–2, 6–4, 3–5. Ergebnisse: 1 gewinnt, 6 gewinnt, 3–5 remis. Stand: 1 und 6 je 2 Punkte, 2 hat 1, 3 und 5 je ½, 4 hat 0.
Runde 3: Die beiden Führenden haben noch nicht gegeneinander gespielt: 1–6. Spieler 2 ist allein mit 1 Punkt und rutscht zu 3 und 5. Gegen 5 hat er schon gespielt, also 2–3. Übrig bleiben 5–4. Ergebnisse: 1–6 remis, 2 gewinnt, 5 gewinnt.
| Platz | Spieler | Punkte | Gegner (deren Punkte) | Buchholz | Sonneborn-Berger |
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Nr. 1 | 2½ | 4 (0), 2 (2), 6 (2½) | 4½ | 3,25 |
| 2 | Nr. 6 | 2½ | 3 (½), 4 (0), 1 (2½) | 3 | 1,75 |
| 3 | Nr. 2 | 2 | 5 (1½), 1 (2½), 3 (½) | 4½ | |
| 4 | Nr. 5 | 1½ | 2 (2), 3 (½), 4 (0) | 2½ | |
| 5 | Nr. 3 | ½ | 6 (2½), 5 (1½), 2 (2) | 6 | |
| 6 | Nr. 4 | 0 | 1 (2½), 6 (2½), 5 (1½) | 6½ |
Die Probe: In 9 Partien wurden 9 Punkte verteilt, und 2½ + 2½ + 2 + 1½ + ½ + 0 = 9. Nr. 1 und Nr. 6 sind punktgleich. Die Buchholz entscheidet für Nr. 1: Seine Gegner haben zusammen 4½ Punkte geholt, die von Nr. 6 nur 3.
Mit 6 Spielern ist das Beispiel klein. Bei so wenigen Teilnehmern wäre jeder gegen jeden in 5 Runden die gerechtere Wahl. Wie viele Spiele das sind, rechnet der Ratgeber Wie viele Spiele jeder gegen jeden? vor.
Buchholz-Wertung erklärt
Die Buchholz ist die Summe der Punkte aller Gegner am Turnierende (FIDE C.07, Artikel 8.1). Sie misst, wie schwer das Programm eines Spielers war. Wer gegen starke Gegner gepunktet hat, liegt vorn.
Daneben gibt es Varianten. Bei der Buchholz mit Streichergebnis fällt der Gegner mit den wenigsten Punkten heraus (Artikel 14.1). Im Beispiel hätten Nr. 1 und Nr. 6 dann 4½ und 3, weil bei beiden ein Gegner mit 0 Punkten gestrichen wird. Die Sonneborn-Berger-Wertung (Artikel 9.1) nimmt je Partie die Punkte des Gegners mal den eigenen Punkten aus dieser Partie. Nr. 1: Sieg gegen Nr. 4 (0 × 1), Sieg gegen Nr. 2 (2 × 1) und Remis gegen Nr. 6 (2½ × ½), zusammen 3,25. Nr. 6 kommt auf ½ + 0 + 1,25 = 1,75.
Welche Feinwertung in welcher Reihenfolge gilt, gehört in die Ausschreibung. Kampflose Partien, Freilose und Rückzüge behandelt Artikel 16 von C.07 gesondert, weil sie die Buchholz der Gegner verzerren würden.
Freilos bei ungerader Teilnehmerzahl
Bei 7 Teilnehmern bleibt in jeder Runde einer ohne Gegner. Er bekommt das Freilos und damit so viele Punkte wie für einen Sieg, sofern die Ausschreibung nichts anderes festlegt. Für alle Freilose im Turnier muss derselbe Wert gelten (C.04.1, Artikel 3). Üblich ist, dass der am schlechtesten platzierte Spieler der untersten Punktgruppe das Freilos bekommt. Kein Spieler erhält zwei Freilose.
Schweizer System bei Dart, Boule und Tischtennis
Außerhalb des Schachs entfallen die Farbregeln. Ansonsten bleibt alles gleich. Beim Dart zählt ein gewonnenes Spiel als Sieg. Beim Boule nehmen manche Ausschreibungen die Punktdifferenz als weitere Feinwertung, das muss vorher feststehen. Das Werkzeug bietet diese Feinwertung nicht an. Schalten Sie dort für Dart und Boule den Farbausgleich ab, sonst achtet es auf Weiß und Schwarz, obwohl es keine Farben gibt. Ob es Unentschieden geben kann, hängt von der Sportart ab. Legen Sie vorher fest, wie viele Punkte Sieg, Unentschieden, Niederlage und Freilos bringen. Das Werkzeug Schweizer System lost die Paarungen nach den Grundregeln aus, rechnet Buchholz und Sonneborn-Berger und druckt Paarungs- und Ranglisten.
Schweizer System oder jeder gegen jeden?
Bei bis zu etwa 10 Teilnehmern ist jeder gegen jeden meist besser: Jeder trifft auf jeden, Feinwertungen braucht man selten. Darüber wird das Rundenturnier lang. Bei 20 Teilnehmern wären es 19 Runden, im Schweizer System reichen 5 bis 6. Der Preis: Nicht jeder spielt gegen jeden, und wer am Anfang gegen einen starken Gegner verliert, bekommt danach leichtere Gegner und eine niedrigere Buchholz. Für einen Vereinsabend mit 16 Dartspielern und 4 Stunden Zeit ist das Schweizer System deshalb oft die einzige Möglichkeit, alle bis zum Schluss spielen zu lassen. Ein K.-o.-System wäre schneller, schickt aber die Hälfte nach dem ersten Spiel nach Hause.
Typische Fehler
- Rundenzahl während des Turniers geändert: Die FIDE verlangt, dass sie vorher feststeht. Wer nach Runde 3 eine Runde anhängt, verändert die Chancen.
- Wiederholte Paarung übersehen: Gerade bei der Paarung von Hand passiert das in späten Runden. Eine Kreuztabelle mit allen bisherigen Gegnern hilft.
- Freilos zweimal an denselben: Auch kampflose Siege zählen nach Artikel 4 wie ein Freilos.
- Buchholz zu früh berechnet: Sie gilt mit den Punkten der Gegner am Turnierende, nicht mit dem Stand zur Zeit der Partie.
Grenzen
Wie genau innerhalb einer Punktgruppe getauscht wird, wenn die einfache Halbierung nicht aufgeht, regelt das holländische System der FIDE (C.04.3) auf vielen Seiten. Für Turniere mit FIDE-Elo-Auswertung muss nach einem der veröffentlichten FIDE-Systeme gepaart werden, und verschiedene von der FIDE anerkannte Programme müssen zu denselben Paarungen kommen (C.04.2, Artikel 1.1 und 1.4). Ein vereinfachtes Paarungsprogramm reicht dafür nicht. Für Vereinsabende, Schulturniere oder eine Dart-Liga reichen die Grundregeln. Für die Siegerehrung erstellen Sie die Urkunden aus der Rangliste mit Urkunde erstellen.