Für Bingo gibt es keine Norm und keinen Verband, der die Regeln für Feiern festlegt. Zwei Formen haben sich durchgesetzt: das 75er-Bingo aus Nordamerika und das 90er-Bingo aus Großbritannien. Dazu kommt das Bingo mit Begriffen oder Bildern, das auf Weihnachtsfeiern, im Unterricht und im Seniorentreff beliebt ist.
Bingo-Regeln in fünf Schritten
- Karten verteilen. Jede Person bekommt eine Karte, bei großen Runden auch zwei. Jede Karte ist anders.
- Gewinnfigur ansagen. Zum Beispiel: „Eine volle Reihe, Spalte oder Diagonale.“ Steht die Figur nicht fest, gibt es später Streit.
- Ziehen. Die Spielleitung zieht eine Zahl, ruft sie laut und deutlich und legt sie sichtbar ab. Beim 75er-Bingo mit Buchstaben: „N 38“.
- Abstreichen. Alle, die die Zahl auf ihrer Karte haben, streichen sie ab oder legen einen Chip darauf.
- Bingo rufen und prüfen. Wer die Figur voll hat, ruft sofort „Bingo“. Die Spielleitung prüft die Karte gegen die gezogenen Zahlen. Stimmt alles, ist die Runde gewonnen. Stimmt etwas nicht, geht das Spiel weiter.
Bingo-Regeln für das 75er-Bingo (5 × 5)
Die Karte hat 5 × 5 Felder, die Spalten tragen die Buchstaben B, I, N, G und O. In Spalte B stehen nur Zahlen von 1 bis 15, in I von 16 bis 30, in N von 31 bis 45, in G von 46 bis 60 und in O von 61 bis 75. Das Mittelfeld ist frei und gilt von Anfang an als abgestrichen. Eine Karte trägt also 24 Zahlen.
Gewonnen hat, wer zuerst eine volle Reihe, Spalte oder Diagonale hat. Für längere Runden gibt es weitere Figuren:
| Figur | Felder nötig | Dauer |
|---|---|---|
| Reihe, Spalte oder Diagonale | 4 oder 5 | kurz |
| Vier Ecken | 4 | kurz bis mittel |
| Rahmen (alle Randfelder) | 16 | lang |
| Volle Karte | 24 | sehr lang |
Diagonalen und die mittlere Reihe und Spalte laufen durch das freie Feld und brauchen deshalb nur 4 gezogene Zahlen.
90er-Bingo: Regeln wie in Großbritannien
Die Karte hat drei Reihen und neun Spalten. Jede Reihe trägt fünf Zahlen, die übrigen vier Felder bleiben leer, die Karte trägt also 15 Zahlen. Die erste Spalte nimmt die Zahlen 1 bis 9, die zweite 10 bis 19 und so weiter, die letzte 80 bis 90. Manche Veranstalter teilen etwas anders auf, mit 1 bis 10 in der ersten und 81 bis 90 in der letzten Spalte. Innerhalb einer Spalte stehen die Zahlen von oben nach unten aufsteigend.
Gespielt wird in drei Stufen: Zuerst gewinnt, wer eine Reihe voll hat, dann wer zwei Reihen hat, zuletzt wer die ganze Karte hat. So gibt es pro Runde drei Preise. Karten werden oft in Streifen zu sechs ausgegeben, in denen jede Zahl von 1 bis 90 genau einmal vorkommt. Wer einen ganzen Streifen spielt, kann bei jeder gezogenen Zahl etwas abstreichen.
Bingo mit Begriffen: für Kinder, Senioren und Weihnachten
Statt Zahlen stehen Wörter oder Bilder auf der Karte: „Tannenbaum“, „Lebkuchen“, „Schlitten“. Die Spielleitung zieht Begriffe statt Zahlen. Die Regeln bleiben gleich. Für Kinder und Seniorinnen und Senioren eignen sich kleinere Raster wie 3 × 3 oder 4 × 4 und große Schrift. Mit Bildern spielen auch Kinder mit, die noch nicht lesen.
Wichtig ist die Zahl der Begriffe. Ein 5 × 5-Raster mit freiem Mittelfeld braucht 24 Begriffe je Karte. Haben Sie genau 24, stehen auf allen Karten dieselben Wörter, nur anders angeordnet. Bei „volle Karte“ gewinnen dann alle beim selben Zug. Mit 36 Begriffen gibt es rund 1,25 Milliarden verschiedene Auswahlen von 24 Wörtern, die Karten unterscheiden sich deutlich. Planen Sie also mindestens das Anderthalbfache der Felder.
Bingo 4 × 4 und 3 × 3: Regeln für kleine Karten
Bei 4 × 4 gibt es keine Mitte und damit kein freies Feld. Eine Reihe hat dann 4 Felder, bei 3 × 3 nur 3. Ein 3 × 3-Raster hat eine Mitte, das freie Feld ist dort möglich, aber selten nötig. Die Runden werden dadurch kürzer, was bei Kindern und im Seniorentreff gewollt ist. Damit die Karten sich trotzdem unterscheiden, gilt dieselbe Faustregel: anderthalbmal so viele Begriffe wie Felder, bei 4 × 4 also mindestens 24, bei 3 × 3 mindestens 14 und mit freiem Mittelfeld 12. Als Gewinnfigur reicht hier meist eine Reihe, Spalte oder Diagonale. Die volle Karte ist bei 9 Feldern schnell erreicht und eignet sich als zweite Stufe in derselben Runde.
Wie lange dauert eine Bingo-Runde?
Die Antwort hängt davon ab, wie viele Karten im Spiel sind und welche Figur gilt. Wir haben das 75er-Bingo mit der Figur „Reihe, Spalte oder Diagonale“ für verschiedene Kartenzahlen jeweils 1.000- bis 3.000-mal simuliert. Die Tabelle zeigt, nach wie vielen Zügen im Mittel das erste Bingo fällt:
| Karten im Spiel | Züge bis zum ersten Bingo (Mittel) | bei 10 Sekunden je Zug |
|---|---|---|
| 1 | 41 | knapp 7 Minuten |
| 10 | 26 | gut 4 Minuten |
| 20 | 22 | knapp 4 Minuten |
| 30 | 20 | gut 3 Minuten |
| 50 | 18 | 3 Minuten |
| 100 | 16 | knapp 3 Minuten |
Ein Rechenbeispiel für die Planung: Eine Weihnachtsfeier mit 30 Gästen, je eine Karte. Die erste Linie fällt nach etwa 20 Zügen. Mit 10 Sekunden je Zug, also Ziehen, Ausrufen und Wiederholen, sind das gut 3 Minuten. Fünf solche Runden dauern mit Prüfen und Preisübergabe etwa eine halbe Stunde. Für die volle Karte brauchte es in derselben Simulation bei 20 Karten im Mittel 67 der 75 Zahlen, das sind über 11 Minuten reine Ziehzeit. Die volle Karte eignet sich deshalb als Abschluss mit dem Hauptpreis.
Wie viele verschiedene Bingo-Karten gibt es?
Beim 75er-Bingo wählt jede Spalte 5 aus 15 Zahlen, die N-Spalte wegen des freien Felds nur 4. Das ergibt 3.003 Möglichkeiten für jede der Spalten B, I, G und O und 1.365 für die Spalte N. Malgenommen sind das 3.003⁴ × 1.365, rund 1,1 · 10¹⁷ verschiedene Zahlenkombinationen. Zählt man zusätzlich die Reihenfolge innerhalb der Spalten, kommt man auf rund 5,5 · 10²⁶ Anordnungen. Zwei zufällig erzeugte Karten sind also praktisch nie gleich. Gefährlicher sind Kopierfehler: dieselbe Vorlage zweimal gedruckt oder ein Stapel versehentlich doppelt verteilt.
Gewinner prüfen
Ein Bingo-Ruf ist schnell, ein Irrtum auch. Damit die Prüfung fair bleibt:
- Gezogene Zahlen sichtbar ablegen, auf einer Tafel oder am Beamer.
- Die Karte vorlesen lassen, die Spielleitung vergleicht.
- Ein falsches Bingo kostet nichts außer der Runde Zeit. Das Spiel geht mit der nächsten Zahl weiter.
- Bei mehreren Gewinnern mit derselben Zahl vorher festgelegte Regel anwenden: teilen oder Zusatzziehung.
Mit nummerierten Karten wird die Prüfung einfacher. Das Werkzeug Bingo-Karten erstellen druckt 75er-, 90er- und Begriffskarten mit Kartennummer, zieht am Bildschirm und zeigt nach Eingabe der Nummer, welche Felder getroffen sind.
Bingo um Geld: wann es ein Glücksspiel ist
Nach § 3 Abs. 1 des Glücksspielstaatsvertrags 2021 liegt ein Glücksspiel vor, wenn für den Erwerb einer Gewinnchance ein Entgelt verlangt wird und der Zufall ganz oder überwiegend über den Gewinn entscheidet. Beim Bingo entscheidet der Zufall. Verkaufen Sie also Karten und verlosen damit Preise, ist das ein Glücksspiel. Eine Erlaubnis braucht es, wenn es öffentlich ist (§ 4 Abs. 1). Öffentlich heißt nach § 3 Abs. 2: offen für einen größeren Personenkreis oder regelmäßig im Verein veranstaltet. Für kleine Lotterien mit gemeinnützigem Zweck gelten erleichterte Landesregeln (§ 18). Bei kostenlosen Karten und gespendeten Preisen fehlt das Entgelt. Wer eine Verlosung mit verkauften Losen plant, findet die Regeln für kleine Lotterien im Ratgeber Wie viele Lose für eine Tombola?.
Typische Fehler
- Gewinnfigur nicht angesagt: Dann ruft jemand bei vier Ecken Bingo, während andere auf eine Reihe warten.
- Zu wenige Begriffe: Mit genau so vielen Begriffen wie Feldern sind alle Karten inhaltlich gleich.
- Zahlen zu schnell gezogen: Im Seniorentreff oder mit Kindern lieber 15 bis 20 Sekunden je Zug und jede Zahl zweimal ansagen.
- Gezogene Zahlen nicht notiert: Ohne Liste lässt sich ein Bingo nicht prüfen.
Grenzen
Die Regeln hier beschreiben die verbreiteten Formen für Feiern und Vereine. Fernsehbingo und kommerzielle Bingohallen haben eigene Teilnahmebedingungen, die dort nachzulesen sind. Die Simulationswerte sind Mittelwerte. In einer echten Runde kann das erste Bingo deutlich früher oder später fallen.