Aus der Basisnummer bilden Sie Ihre Artikelnummern selbst und hängen die Prüfziffer an.
Wie eine EAN-13 aufgebaut ist und wie die Prüfziffer entsteht, erklärt unser Beitrag „EAN-Code und Barcode: Aufbau, Prüfziffer, Länderkennung“. Hier geht es um die Frage davor: welches Paket Sie brauchen, was es über mehrere Jahre kostet und wie Sie Ärger mit gekauften Nummern vermeiden.
EAN, GTIN und Basisnummer: wer was vergibt
Die Nummer, die Händler „EAN“ nennen, heißt heute GTIN (Global Trade Item Number). GS1 Germany vergibt nicht einzelne GTINs an Produkte, sondern einen Nummernbereich an Ihr Unternehmen. Sein Anfang ist die GS1-Basisnummer, international Global Company Prefix (GCP). Die restlichen Stellen bis zur Prüfziffer füllen Sie selbst, Artikel für Artikel.
Mit dem Vertrag erhalten Sie außerdem eine GLN (Global Location Number), die Ihr Unternehmen etwa im elektronischen Datenaustausch mit großen Händlern kennzeichnet. Beim SmartStarter10 entspricht die Basisnummer laut GS1 Germany den ersten 11 Stellen dieser GLN.
Welches GS1-Paket passt
GS1 Germany hat zwei Einstiege. Die Preise stammen aus der Preisübersicht, gültig seit 01.01.2025, abgerufen am 08.10.2026, alle zuzüglich Mehrwertsteuer:
| Paket | Basisnummer | GTINs | Einmalig | Jährlich |
|---|---|---|---|---|
| SmartStarter10 (Umsatz bis 250.000 €) | 11-stellig | 10 | – | 60 € |
| GS1 Complete | 9-stellig | 1.000 | 250 € | ab 160 € |
| GS1 Complete | 8-stellig | 10.000 | 360 € | ab 160 € |
| GS1 Complete | 7-stellig | 100.000 | 580 € | ab 160 € |
Der jährliche Nutzungspreis von GS1 Complete richtet sich nach dem Gesamtjahresumsatz des Unternehmens vor Steuern. 160 Euro gelten für weniger als 5 Millionen Euro Umsatz, darüber steigt er in Stufen: 460 Euro bis unter 25 Millionen, 730 Euro bis unter 50 Millionen. Im ersten Jahr ist laut Preisübersicht der volle Nutzungspreis fällig, egal in welchem Monat Sie den Vertrag schließen. Wer erst im November anfängt, zahlt also für ein ganzes Jahr.
Wie viele Nummern eine Basisnummer bringt
Eine GTIN-13 hat 13 Stellen. Die letzte ist die Prüfziffer, davor stehen die Basisnummer und Ihre Artikelnummer. Für die Artikelnummer bleiben also 12 minus Länge der Basisnummer Stellen. Daraus ergibt sich die Kapazität:
| Länge der Basisnummer | Stellen für Artikel | GTINs | SSCC (Paletten-Nummern) |
|---|---|---|---|
| 11 | 1 | 10 | 1 Mio. |
| 9 | 3 | 1.000 | 100 Mio. |
| 8 | 4 | 10.000 | 1 Mrd. |
| 7 | 5 | 100.000 | 10 Mrd. |
Die SSCC-Spalte rechnet sich genauso: Eine SSCC hat 18 Stellen, davon eine Erweiterungsziffer vorne und eine Prüfziffer hinten. Bei einer 9-stelligen Basisnummer bleiben 7 Stellen für die laufende Nummer, das sind 10 Millionen, mal 10 mögliche Erweiterungsziffern ergibt 100 Millionen. Die Werte decken sich mit der Preisübersicht von GS1 Germany. Für die meisten kleinen Betriebe zählt die GTIN-Spalte; SSCC brauchen Sie erst, wenn Sie Paletten an Handelslager liefern.
Durchgerechnet: was 18 Varianten über fünf Jahre kosten
Eine kleine Manufaktur verkauft Schürzen über einen Marktplatz und an zwei Läden. Es gibt drei Modelle, jedes in zwei Farben und drei Größen. Das sind 3 × 2 × 3 = 18 Varianten, und jede braucht eine eigene GTIN. Der SmartStarter10 mit 10 Nummern reicht nicht.
Mit GS1 Complete und einer 9-stelligen Basisnummer fallen 250 Euro einmalig an, dazu bei weniger als 5 Millionen Euro Umsatz 160 Euro im Jahr. Über fünf Jahre sind das 250 + 5 × 160 = 1.050 Euro netto, mit 19 Prozent Mehrwertsteuer 1.249,50 Euro. Auf die 18 Varianten umgelegt kostet eine Nummer in fünf Jahren 58,33 Euro netto. Mit jedem weiteren Artikel sinkt der Wert, denn bis 1.000 Nummern bleibt der Preis gleich.
Hätte die Manufaktur nur ein Modell in zwei Farben und vier Größen, also 8 Varianten, käme sie mit dem SmartStarter10 aus: 5 × 60 = 300 Euro netto in fünf Jahren. Die beiden übrigen Nummern bleiben als Reserve für eine neue Farbe. Planen Sie deshalb vor dem Antrag, wie viele Varianten in den nächsten Jahren dazukommen. Eine 8-stellige Basisnummer lohnt sich erst, wenn Sie mit mehr als 1.000 Artikeln rechnen; sie kostet einmalig 110 Euro mehr.
So beantragen Sie die Nummern
- Varianten zählen. Jede verkaufbare Einheit braucht eine GTIN, auch ein Set aus drei Stück, das Sie zusätzlich einzeln anbieten.
- Paket wählen und online bestellen. Bei GS1 Germany unter „EAN/GTIN/GLN bestellen“ wählen Sie SmartStarter10 oder GS1 Complete. Für den SmartStarter10 darf Ihr Umsatz 250.000 Euro nicht übersteigen.
- Nummern vergeben. Nach der Bereitstellung bilden Sie die Artikelnummern fortlaufend, etwa 001 bis 018. Die Prüfziffer berechnen Sie mit dem Werkzeug EAN-Prüfziffer berechnen, auch für eine ganze Liste auf einmal.
- Artikel eintragen. In der GS1 Service-Plattform verknüpfen Sie jede GTIN mit Produktname und Merkmalen. GS1 Germany veröffentlicht diese Angaben in Verified by GS1, damit Händler und Marktplätze die Nummer Ihrem Unternehmen zuordnen können. Der Veröffentlichung können Sie widersprechen, verlieren dann aber genau diesen Nachweis.
- Strichcode drucken. Den EAN-13 erzeugen Sie selbst oder lassen ihn bei GS1 erzeugen; GS1 Germany berechnet für EPS-Dateien je nach Stückzahl zwischen 31 Euro und 50 Cent je Code. Eine Strichcodeprüfung für EAN-13 kostet dort 44 Euro, beim GS1 Complete sind drei Prüfungen im ersten Jahr enthalten.
Führen Sie eine eigene Liste, welche Nummer zu welchem Artikel gehört. Eine einmal vergebene GTIN sollte nicht für ein anderes Produkt wiederverwendet werden, sonst finden Händler unter derselben Nummer zwei verschiedene Artikel.
Billige EAN-Nummern aus dem Internet
Im Netz werden einzelne EAN-Nummern für wenige Euro angeboten. Die Nummern sind technisch gültig, ihre Prüfziffer stimmt. Sie stammen aber meist aus Basisnummern, die früher an ein anderes Unternehmen vergeben wurden und weiterverkauft werden. In Verified by GS1 steht dann nicht Ihr Unternehmen als Inhaber, sondern das ursprüngliche.
Für einen Flohmarktstand ist das egal. Für Marktplätze und Handelsketten nicht: Sie gleichen GTINs mit der GS1-Datenbank ab. Passt der eingetragene Inhaber nicht zur angegebenen Marke, kann ein Angebot gesperrt werden, und Sie müssen Etiketten und Verpackungen neu drucken. Rechnen Sie den Ersatz der Etiketten gegen die 60 Euro des SmartStarter10, fällt die Entscheidung meist leicht.
GTIN-Befreiung bei Amazon
Wer nur bei Amazon verkauft, stößt in Ratgebern auf die „GTIN-Befreiung“. Amazon bietet im Verkäuferkonto einen Antrag an, mit dem bestimmte Produkte ohne GTIN eingestellt werden können, etwa Artikel einer Marke, die selbst keine Strichcodes verwendet. Die Bedingungen stehen in der Seller-Central-Hilfe, die nur angemeldet erreichbar ist, und sie ändern sich gelegentlich. Prüfen Sie dort, ob Ihre Kategorie infrage kommt. Eine Befreiung gilt nur für Amazon. Sobald ein Laden, ein Großhändler oder ein zweiter Marktplatz Ihre Ware führen soll, brauchen Sie doch eine GTIN.
Sonderfälle: Bücher und interne Nummern
Bücher brauchen keine Nummer von GS1. Sie bekommen eine ISBN von der ISBN-Agentur, und die ISBN-13 mit 978 oder 979 vorne ist zugleich eine GTIN. Den passenden Strichcode, auf Wunsch mit Preis-Zusatz, erzeugt ISBN-Barcode erstellen.
Interne Nummern für Lager, Inventar oder die Vereinsbibliothek brauchen keine Lizenz. Dort nehmen Sie eine eigene Nummer im Code 128 oder, wenn ein EAN-13 nötig ist, eine Nummer aus dem internen Bereich, der mit 2 beginnt. Solche Nummern dürfen aber nie das eigene Haus verlassen.
Typische Fehler
- Zu kleines Paket: Wer mit dem SmartStarter10 startet und nach einem Jahr 30 Varianten hat, hat Artikel aus zwei Basisnummern. Das funktioniert, ist aber unübersichtlicher als gleich eine 9-stellige Basisnummer.
- Eine Nummer für alle Größen: Kasse und Lager können die Größen dann nicht unterscheiden.
- Excel frisst Nullen: Eine auf 14 Stellen aufgefüllte GTIN wie 04006381333931 verliert in einer Zahlenzelle die führende Null. Formatieren Sie die Spalte als Text.
- Prüfziffer von Hand gerechnet: Ein Zahlendreher fällt erst an der Kasse auf. Prüfen Sie die ganze Liste vor dem Etikettendruck.